Zwei Männer am Feldrand

Der vergessene Ruhetag

Jürgen Ferrary
15. März 2026

„Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebenten sollst du ruhen.“ So steht es im Exodus 34,21. Viele Menschen kennen diesen Satz – selbst wenn sie mit Glauben wenig anfangen können. Schließlich prägt er bis heute unseren Alltag: Sonntags haben viele Geschäfte geschlossen, Arztpraxen bleiben zu, vieles kommt zur Ruhe.

Oder zumindest sollte es so sein.

Als ich letzten Sonntag meine Frau vom Bahnhof abholte, sah ich etwas Interessantes: Eine lange Schlange zog sich durch die ganze Bahnhofshalle. Ihr Ende war die Tür eines Supermarkts, der wegen seiner Lage eine Sondergenehmigung hat, auch sonntags zu öffnen.

Offenbar hatten viele Menschen plötzlich noch etwas ganz Dringendes zu erledigen.

Und seien wir ehrlich: Wenn wir ins Krankenhaus müssen, Bus fahren wollen oder morgens frische Brötchen brauchen, sind wir ganz froh, dass andere das mit dem Ruhetag nicht ganz so genau nehmen. Dabei hat Gott sich etwas dabei gedacht, als er seinem Volk den Sabbat gab.

Natürlich geht es dabei um Erholung. Körper, Geist und Seele brauchen Zeiten, in denen sie herunterfahren können. Der Druck des Alltags ist für viele enorm. Eigentlich haben wir es heute sogar besser als früher: In der Regel arbeiten wir fünf Tage pro Woche – theoretisch bleiben also zwei Tage zum Auftanken.

Theoretisch.

Denn unsere Kalender sind oft so voll, dass selbst freie Tage zu kleinen Projektwochen werden. Dinge nachholen. Termine erledigen. Einkaufen. Organisieren. 

Doch der Sabbat hat noch einen tieferen Sinn.

Schon zur Zeit Jesu war das Leben hektisch. Auch damals wurde der Wert eines Menschen oft daran gemessen, wer er war, was er besaß oder was er leistete. Und genau dagegen setzt Gott ein Zeichen.

Der Sabbat erinnert uns daran: Dein Wert hängt nicht von deiner Leistung ab. Der Widersacher Gottes flüstert uns etwas anderes ein. Er möchte, dass wir unseren Wert in Erfolgen, Anerkennung, Bekanntheit oder Produktivität suchen.

Gott dagegen sagt: Du bist wertvoll – bevor du irgendetwas geleistet hast. Darum sagt Jesus im Markusevangelium 2,27: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“

Der Ruhetag ist also kein religiöser Leistungsnachweis. Er ist ein Geschenk.

Ein Tag, an dem du nicht nur körperlich ausruhst, sondern auch innerlich zur Ruhe kommst. Ein Tag, an dem du nicht nur nachholst, was in der Woche liegen geblieben ist, sondern auch das nachholst, was im Alltag oft zu kurz kommt: Zeit mit Gott.

Wenn du diesen Tag so lebst, passiert etwas Schönes. Woche für Woche erinnert er dich daran, wer du wirklich bist. Nicht deine Leistung definiert dich. Nicht der Applaus anderer Menschen. Nicht deine To-do-Liste. Deine Identität liegt darin, dass du in Christus geliebt bist.

Dabei ist die äußere Form nicht das Entscheidende. Die Bibel schreibt nicht vor, dass dein persönlicher Rhythmus exakt so aussehen muss wie meiner. Für manche ist es der Sonntag, für andere vielleicht ein anderer Tag oder ein bestimmter Moment der Woche.

Wichtig ist der Rhythmus.
Ruhe.
Erholung.
Und geistliches Auftanken.

Dass das selbst in einen vollen Terminkalender passt, zeigt oft schon ein Blick auf unsere Bildschirmzeit.

Kleine Herausforderung für heute: Überlege einmal bewusst, wann du in deinem Alltag einen echten „Sabbatmoment“ einbauen kannst. Eine Zeit, in der du wirklich abschaltest – so wie man beim Tanken den Motor abstellt, bis der Tank wieder voll ist.

Vielleicht ein Spaziergang ohne Handy.
Ein ruhiger Kaffee mit Gott.
Ein paar Minuten Stille.

Der Sabbat ist kein zusätzlicher Termin. Er ist ein Geschenk.

Sei gesegnet!

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen“ (Mahatma Gandhi).

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